Theodor-Frerichs-Preis der DGIM geht an Münchner Wissenschaftler
Studie über Krebs und Entzündung liefert neue Therapieansätze
Wiesbaden, April 2010 - Etwa 20 Prozent aller bösartigen Krebskrankungen entstehen aufgrund chronischer Entzündungen. Für seine Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen entzündlichen Prozessen und Darmkrebs zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Privatdozent Dr. med. Florian Greten aus München mit dem Theodor-Frerichs-Preis 2010 aus. Seine Ergebnisse liefern neue Ansatzpunkte für zukünftige Therapien von Dickdarmkrebs. Die DGIM hat den mit 30 000 Euro dotierten Preis im Rahmen der Festlichen Abendveranstaltung anlässlich ihres 116. Kongresses am 11. April 2010 in Wiesbaden verliehen.
In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 37 000 Männer und etwa 36 000 Frauen an einem kolorektalen Karzinom. Darmkrebs ist damit die zweithäufigste Tumorerkrankung. Etwa ein fünftel aller Tumoren entstehen auf dem Boden von Entzündungen. Die genauen Zusammenhänge waren jedoch bislang unklar. In Studien an der Universität San Diego fand Greten in den vergangenen Jahren heraus, dass bestimmte mit dem Krebs assoziierte sogenannte myeloide Zellen Stoffe abgeben, die Zellen des Darmes zu Wachstum und Teilung anregen.
In seiner jetzt ausgezeichneten Studie an der Technischen Universität München klärte er zusammen mit seiner Arbeitsgruppe im Tierversuch die genaue Funktion der myeloiden Zellen auf: Die von ihnen freigesetzten, wachstumsregulierenden IL-6-Zytokine, aktivieren den Signalstoff Stat3. Dieser stößt eine Kette von Reaktionen an, die Tumoren dazu bringt, sich zu vermehren und massiv zu wachsen und. Ein Mangel an Stat3 dagegen unterdrückte das Krebswachstum nahezu vollkommen. Diese Blockade führte auf der anderen Seite zu verminderter Wundheilung bei einer akuten Darmentzündung.
Der 1972 geborene Internist Greten bewirbt sich mit einer in mehrerer Hinsicht herausragenden Studie um den Preis, so die Juroren. Einerseits führe er überzeugend vor, dass Stat3 einen zentralen Punkt der entzündungsvermittelten Tumorentstehung darstellt. "Zudem ist die hoch innovative wissenschaftliche Arbeit ein Paradebeispiel für eine exzellente Nachwuchs-Forschungsarbeit", begründet das Preiskomitee der DGIM die Entscheidung. Die Erkenntnisse böten das Potenzial für neue therapeutische Ansätze in der Therapie von Dickdarmskrebs.
Der Preis ist nach dem Präsidenten des ersten Deutschen Kongresses für Innere Medizin - dem Internisten Friedrich Theodor von Frerichs - benannt. Mit dem Preis honoriert die DGIM die beste zur Bewerbung eingereichte, möglichst klinisch-experimentelle Arbeit auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum. Die Fachgesellschaft verleiht die Auszeichnung jährlich im Rahmen der Festlichen Abendveranstaltung ihrer Jahrestagung in Wiesbaden.




