Blutvergiftung fordert jährlich zehntausende Menschenleben
DGIM fordert Forschung zur Sepsis
Berlin - In Deutschland erleiden pro Jahr etwa 110 000 Erwachsene eine Blutvergiftung, eine sogenannte Sepsis. Fast die Hälfte der von einer schweren Sepsis Betroffenen stirbt daran. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) sieht unbedingten Handlungsbedarf in der Erforschung neuer Ansätze zur Behandlung der Sepsis. Infektionen sind ein Schwerpunkt des 116. Internistenkongresses in Wiesbaden.
Die DGIM erörtert dieses und weitere wichtige Themen des Kongresses vorab im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin.
"Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass viele der septischen Ereignisse im Krankenhaus auftreten und Folge von diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen sein können", sagt Professor Dr. med. Jürgen Schölmerich, Vorsitzender der DGIM. Dies sei ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Fälle dieser dramatisch bedrohlichen Erkrankung zu verringern. Dazu trage beispielsweise schon eine streng gehandhabte Hygiene bei. Als Präsident des 116. Internistenkongresses hat er die Infektiologie zu einem Kongressschwerpunkt gemacht.
Ursache einer Sepsis sind Infektionen: Dringen Bakterien zum Beispiel an einer kleinen Verletzung in die Haut eines abwehrschwachen Menschen ein, vermehren sie sich - mitunter explosionsartig. Damit rufen sie eine überschießende Entzündungsreaktion des Körpers hervor: die feinen Blutgefäße entspannen sich und werden durchlässig. In der Folge gelangt immer weniger Sauerstoff in die äußeren Gewebe. "Unbehandelt verstärkt sich dieser Vorgang in einem Circulus vitiosus immer weiter", erläutert Privatdozent Dr. med. Christian Wrede, Chefarzt des Interdisziplinären Notfallzentrums mit Rettungsstelle, HELIOS Klinikum Berlin-Buch.
Entscheidend sei es, diesen Kreislauf früh zu durchbrechen, so Wrede. In weniger schweren Fällen helfen reichlich Flüssigkeit und breit wirksame Antibiotika. Drohten Organversagen oder sogar Tod, reiche dies jedoch bei Weitem nicht aus. Besonders gefährlich ist der "septische Schock", er verläuft in bis zu 70 Prozent der Fälle tödlich. Spricht er auf keine Therapie an, kann die Gabe von Hydrocortison dem Patienten helfen, diesen zu überwinden, sagt Wrede: "Obwohl eine Sepsis an sich so häufig ist und auch eine häufige Todesursache, wird die Diagnose oft noch immer zu spät und zu selten gestellt", meint der Intensivmediziner. Medizinisch-wissenschaftliche Leitlinien spielten hierbei eine wichtige Rolle. Die Teilnahme medizinischer Zentren an einer multinationalen Sepsisstudie mit mehr als 15 000 Patienten über zwei Jahre ging mit einer verbesserten Einhaltung der Leitlinien einher. Dies allein verringerte die Sterberate der von Sepsis betroffenen Patienten um 5,4 Prozent. Eine ebenfalls 2009 publizierte Studie unterstützt eine frühzeitige Antibiotikatherapie und die Gabe von aktiviertem Protein C. Beides senkt nachweislich die Sterberate.
Eine Sepsis geht häufig damit einher, dass die im Gehirn gelegenen hormonellen Steuerungs¬organe Hypothalamus und Hypophyse versagen. "Diese komplexen, lebensnotwendigen Vorgänge sind bislang leider nicht ausreichend untersucht", bedauert Dr. Wrede. Die DGIM fordert auch deshalb dringend eine intensivierte Erforschung der septischen Abläufe im Körper. Im Rahmen der Pressekonferenz der DGIM stellt Dr. Wrede aktuelle Therapien der Sepsis vor und zeigt neue Ansätze für erfolgreiche Therapien auf.




